Anerkennung informell erworbener Kompetenzen

Allianz Fachkräfte Baden-Württemberg

Ziele

Das geplante Entwicklungsvorhaben intendiert in drei Abschnitten (Ziele 1 bis 3), den Bedarf für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen im Bereich der Metall- und Elektroindustrie im Detail herauszuarbeiten, ein Tool für die Anerkennung von informell erworbenen Kompetenzen zu entwickeln und für seine Verbreitung zu sorgen (z.B. in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern IG Metall und Südwestmetall, der Agentur für Arbeit, den Kammern u.a.).

Aufgrund der besonderen Wirtschaftsstruktur ist das Bundesland Baden-Württemberg von der Anerkennungsproblematik besonders betroffen, da hier eine starke Metall- und Elektroindustrie mit ihren Konzernzentralen (z. B. BOSCH, ZF oder DAIMLER u. a. m.) und zudem eine starke mittelständische Industrie (Zulieferindustrie, Maschinen- und Anlagenbau) mit vielen Klein- und Mittelbetrieben beheimatet ist. Im Fokus des Projektes stehen die An- und Ungelernten und die Gruppe der Facharbeiter/innen. Für beide Zielgruppen soll empirisch erhoben werden, welche informell erworbenen Kompetenzen den beruflichen Werdegang am meisten beeinflussen, im positiven wie im negativen Sinne, nämlich dann, wenn vorhandene Kompetenzen nicht sichtbar werden.

Ziel 1: Bedarf für die Anerkennung informeller Kompetenzen feststellen

Zu diesem Zweck soll in einem ersten Schritt für diesen Bereich erfasst werden, welche Kompetenzen Arbeitskräfte und Arbeitssuchende (auch Berufsrückkehrer/innen) überwiegend informell erworben haben und welche Bedeutung die fehlende Anerkennungsmöglichkeit informell angeeigneter Kompetenzen im Kontext ihrer Erwerbsbiografien hatte und hat. Dies soll auch in Hinblick auf die Situation der eingangs erwähnten europäischen Länder geschehen: Welche Bedarfe für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen wurden dort festgestellt?

Die Bedarfe sollen aus unterschiedlichen Perspektiven erhoben werden. In einem ersten Schritt geht es um die Mitarbeiter/innen aus typischen Tätigkeitsfeldern der Metall- und Elektroindustrie wie

  • Produktion und Fertigung,
  • Instandhaltung und Qualitätswesen,
  • Konstruktion und Arbeitsvorbereitung.


Aus jedem dieser Tätigkeitsfelder sollen folgende Statusgruppen beteiligt werden:

  • An- und Ungelernte,
  • gelernte Fachkräfte.


Neben diesen Mitarbeitern/innen, die quasi als „Betroffene“ an der Untersuchung teilnehmen, sollen auch Mitarbeiter/innen und Experten/innen eingebunden werden, die mit Personalentscheidungen zu tun haben:

  • Mitarbeiter/innen des Personalwesens,
  • Fach- und Führungskräfte,
  • Betriebsräte/innen.


Dazu wird schon in dieser ersten Projektphase ein Dialog initiiert, an dem Bildungsexperten/innen sowie Vertreter/innen der Sozialpartner IG Metall und Südwestmetall, der Arbeitsagenturen sowie der Kammern einbezogen werden sollen.

Ziel 2: Entwicklung eines Instruments

In dem zweiten Schritt wird ein Instrumentarium  für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen entwickelt, das der oben skizzierten Problematik der Kompetenzdiagnostik gerecht wird und dennoch praktikabel ist. Dabei sollen auch Erfahrungen anderer Länder, insbesondere der Schweiz betrachtet bzw. entsprechend einbezogen werden.

Denkbar ist beispielsweise ein Evaluationsbogen für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen, der auf einem Raster potenzieller Arbeitsaufgaben in den angesprochenen Tätigkeitsfeldern basiert und unterschiedliche Perspektiven (z. B. Selbst- und Fremdeinschätzung) auf die informell angeeigneten Kompetenzen in den Tätigkeitsfeldern enthält.

In einem weiteren Schritt kann solch eine Struktur als Software-Tool realisiert werden, das Mitarbeiter/innen zur Erstellung eines Portfolios informell angeeigneter Kompetenzen nutzen können und die Einbindung von Foto-, Video- und Textdokumenten ermöglicht.

Ziel 3: Akzeptanzprüfung und Verbreitung des Instruments

Schließlich gilt es, ein mögliches Verfahren zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen sozialverträglich in die Berufsbildungslandschaft Deutschlands einzubetten. Zu diesem Zweck wird der in der ersten Projektphase gestartete Dialog mit Vertretern/innen der unterschiedlichen Interessengruppen fortgesetzt und intensiviert.

Das Vorhaben ist dazu eingebettet in eine Reihe von Seminaren und Workshops, die

  • Vertreter/innen der Sozialpartner IG Metall und Südwestmetall, der Kammern, der Arbeitsagenturen sowie Berufsbildungsexperten/innen einbeziehen,
  • Betriebe für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen sensibilisieren sollen,
  • Beteiligung von potenziellen Nutzern bei der Entwicklung des Software-Tools sicherstellen sollen und
  • für die Verbreitung und den Transfer der Projektergebnisse sorgen.

Projektergebnis

Angestrebt wird die Entwicklung einer empirisch validierten Struktur und Vorgehensweise für die Dokumentation und Bewertung informell erworbener Kompetenzen. Diese Struktur sollte mit den aktuellen Entwicklungen für ein europäisches Leistungspunktesystem im Bereich der Berufsbildung kompatibel, durch die Einbeziehung der Sozialpartner konsensfähig und auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sein.

In einem ersten Schritt könnte diese Struktur in Evaluationsbögen der Selbst- und Fremdeinschätzung bestehen sowie in einem Portfolio-Rahmen, in den die Ergebnisse der Selbst- und Fremdevaluation einfließen.

Diese Struktur soll der Entwicklung eines Software-Programms zugrunde gelegt werden, mit dessen Hilfe ein elektronisches Portfolio informell erworbener Kompetenzen erstellt werden kann.

Hierdurch werden weitere Möglichkeiten der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen realisierbar, z. B. die Einbindung von Bild- und Tondokumenten, die berufliche Leistungen belegen, oder auch die Hinterlegung formell erworbener Qualifikationen und ihre Verbindung zu informellem Lernen.

Es wird erwartet, dass solch ein Programm von den am Arbeitsmarkt tätigen Institutionen in Umlauf gebracht, sowie von Betroffenen und Betrieben für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen genutzt wird.