Anerkennung informell erworbener Kompetenzen

Allianz Fachkräfte Baden-Württemberg

Kurzbeschreibung

Fachkräftemangel

Studien und Untersuchungen prognostizieren einen erheblichen Rückgang qualifizierter Fachkräfte bundesweit. In einigen Branchen und Berufsgruppen ist bereits heute ein massiver Fachkräfteengpass spürbar. Daher wird an vielen Stellen daran gearbeitet, auch zukünftig die Wirtschaft ausreichend mit Fachkräften versorgen zu können. Die Erhöhung der Ausbildungsreife von Schulabgängern/innen oder die Förderung von frühkindlicher Bildung sind Maßnahmen, die ihre Wirkung eher auf lange Sicht erzielen. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder das Rekrutieren von Fachkräften aus dem Ausland greifen hingegen kurzfristig.

Ebenfalls von großer Bedeutung für die Fachkräftesicherung ist die betriebliche Weiterbildung. Sie ermöglicht es den Beschäftigten, sich angesichts komplexer werdender Tätigkeiten und Anforderungen im Betrieb zielorientiert zu qualifizieren. Bisher haben sich die Weiterbildungsmaßnahmen auf formal erworbene Kompetenzen konzentriert. Dazu gehört das Lernen in einem organisierten und strukturierten Kontext, das z. B. in einer Einrichtung der allgemeinen oder beruflichen Bildung oder am Arbeitsplatz stattfindet.

Informell erworbene Komptenzen - ein Schatz, der noch nicht gehoben wurde

Doch wie verhält es sich mit Kompetenzen, die nicht formal erworben wurden? Es wird davon ausgegangen, dass viele Menschen in Baden-Württemberg in der Lage sind, Arbeiten auf einem viel höheren Qualifikationsniveau zu verrichten, als sie es zurzeit tun. Sie scheitern allerdings in ihren Bemühungen, ihren Kompetenzen entsprechend eingesetzt zu werden, am Fehlen formaler Nachweise. Auf der anderen Seite stehen Personalabteilungen vor dem Problem, diese informell erworbenen Kompetenzen nicht als Auswahlkriterium heranziehen zu können.

Mit diesem bundesweit einzigartigen Projekt, das durch die vom Arbeitgeberverband Südwestmetall und von der IG Metall gemeinsam getragenen AgenturQ umgesetzt wird, soll diesem Problem begegnet werden.

Das Projekt AiKo (Anerkennung informell erworbener Kompetenzen) will den Bedarf für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen im Bereich der Metall- und Elektroindustrie herausarbeiten, ein Instrument für die Anerkennung entwickeln und für seine Verbreitung sorgen. Im Fokus des Projekts stehen An- und Ungelernte sowie Facharbeiter/innen der Metall- und Elektroindustrie. Die dabei angestrebte Entwicklung einer empirisch validierten Struktur und Vorgehensweise für die Dokumentation und Bewertung der informellen Kompetenzen soll möglichst mit den aktuellen Entwicklungen für ein europäisches Leistungspunktesystem im Bereich der Berufsbildung kompatibel sein.

Vorgehen im Projekt AiKo

Für die Erhebung des Bedarfs der informell erworbenen Kompetenzen werden zunächst Interviews mit Betroffenen und Personalverantwortlichen sowie Fach- und Führungskräften geführt. Die Interviews sollen Aufschluss darüber geben, welche Kompetenzen Arbeitskräfte und Arbeitssuchende überwiegend informell erworben haben und welche Bedeutung die fehlende Anerkennungsmöglichkeit dieser Kompetenzen im Kontext ihrer Erwerbsbiografien hat. Im nächsten Schritt wird ein Instrumentarium für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen entwickelt, das dem aktuellen Diskussionsstand der Kompetenzdiagnostik gerecht wird.

Die Lösung soll als Software-Tool realisiert werden, um einen möglichst breiten Zugang zu schaffen und auch die Einbindung von Foto-, Video- und Textdokumenten ermöglichen. Nach der vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg geförderten Pilotphase sollen die Software-Tools auch auf andere Branchen und Bundesländer übertragen werden.